Archiv der Kategorie: WM 2016 Saga

Trainingsfahrt 2

Die Japaner hier in Saga sind offensichtlich völlig ballonverrückt. Noch hat die Meisterschaft noch gar nicht begonnen und trotzdem warten am Sonntag Morgen um 06:15 Uhr bereits viele hundert Zuschauer auf dem Flussdeich am Rand des Launch Fields auf das Aufrüsten der Ballone. Vor einer derartigen Kulisse haben wir noch nie trainiert.

Die Winde in der Grundschicht sind deutlich ruhiger als gestern Morgen. Deshalb sind heute auch 4 Trainingsaufgaben gestellt, die recht gut fahrbar sind. Die in den untersten hundert Meter laufend drehenden Winde verleiten auch uns dazu, auf einem der Ziele mehrfach zu korrigieren. Der Effekt ist einerseits eine akzeptable Ablage, andrerseits aber auch ein recht grosser Zeitaufwand, sodass am 4. Ziel dann prompt die Zeit ausgeht.

Die Verhältnisse hier sind wirklich speziell. Viele der Strässchen sind extrem schmal und bieten wegen den kleinen Höhenabsätzen in die angrenzenden Reisfelder keine Ausstellmöglichkeiten. Freileitungen jeder Grösse hat es im Überfluss und dort, wo es ausnahmsweise mal keine Leitung hat, sind die Reisfelder entweder noch nicht abgeerntet oder zwischen feucht-matschig und überflutet. Und aus der Luft sind die Kreuzungen der schachbrettartig angelegten Strassen schwierig zu erkennen: im flachen Gelände sehen sie alle ziemlich gleich aus.

Mit Ausnahme erheblicher Probleme mit mehreren Funkgeräten und einem der Tablets sind wir ganz zufrieden mit diesem Morgen und freuen uns auf eine angesichts der guten Wetterprognosen sicherlich intensive Woche.

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Vorbereitungen und 1. Trainingsfahrt

Am ersten Morgen in Saga erwartet uns regnerisches Wetter. Die Trainingsfahrt wurde deshalb bereits am Vorabend abgesagt und wir konnten unseren Jetlag ausschlafen.

Nach einem Frühstück in einer Bäckerei machen wir uns auf den Weg zum Competition Center. Dort richten wir in aller Ruhe unser Material im Auto ein. Startnummern montieren, Verbundsystem auf die japanischen Flaschen anpassen und Korb einrichten, Venti testen und Auto einräumen. Es gibt einiges zu tun. Zum Glück dauert die Regenpause genau lang genug um alles fertig zu machen. Anschliessend möchten wir noch einen ersten Blick auf das „Common Launch Field“ werfen. Dort werden, wenn nicht in der Aufgabenstellung ein individueller Startplatz vorgesehen ist, alle 105 Ballone zusammen starten. Es braucht also einiges an Wiesenfläche. Was wir uns jedoch definitiv nicht gewohnt sind, sind die Zuschauer. Es gibt grosse Tribünen am Rande des Feldes, Lautsprecher und viele Essens- und Souvenirstände. Wir schlendern durch eines der Zelte und degustieren einige japanische Spezialitäten. Auf dem Rückweg versuchen wir noch SIM-Karten für Internetzugang zu ergattern, sind aber wie erwartet erfolglos. Alle ausverkauft in ganz Saga.

Am Abend gibt’s eine erste Teamsitzung der Schweizer Nationalmannschaft und anschliessend in der Stadt die Eröffnung des Lichterfestivals von Saga. Die Ballonfahrer werden in allen Reden erwähnt. Man freut sich in der Bevölkerung auf die Meisterschaft. Im Anschluss an die Parade treffen wir Crewmitglied Nr. 4. Mari ist mit dem Zug aus Tokio angereist. Nun haben wir endlich Unterstützung im japanischen Schriftzeichenwirrwarr und beim Übersetzen an Orten wo kein Englisch gesprochen wird (also eigentlich überall).

Am Samstagmorgen ist die erste Trainingsfahrt angesagt. Wir machen uns also zeitig auf den Weg zum Briefing, welches um 6:30 Uhr beginnt. Eine Fly-In Aufgabe wird gestellt. Heute noch ohne Observer. Wir sollen unsere Marker selber ausmessen. Der Meteorologe warnt uns, dass die Winde im Laufe des Morgens zunehmen werden. Daher beeilen wir uns nach dem Briefing und machen uns auf Startplatzsuche. Nicht so einfach, vor allem nachdem es am Vortag so viel geregnet hat. Die abgemähten Reisfelder sind ein einziger Matsch. Die Winde drehen während den Messungen, wir entscheiden uns zusammen mit Stefan Zeberli und Roman Hugis Team dann jedoch für einen Startplatz und stellen den Ballon bei zunehmenden Winden auf einem Strässchen auf. Mit durchschnittlich ca. 20km/h fahren wir in Richtung Ziel. Wir verfehlen es jedoch um ca. 50m. Die Strassenkreuzungen sind im Schachbrett angelegt und so ist es nicht ganz einfach die richtige Kreuzung schnell zu finden. Aber dafür gibt’s zum Glück Trainingsfahrten. Natürlich gestaltet sich auch die Suche nach einer Landefläche nicht einfacher als beim Start. Wir finden dann aber einen Acker und landen mit 18km/h schnell aber sicher.

Nach der Fahrt haben wir noch Zeit, einige Dinge zu erledigen und decken uns mit Snacks, Getränken, Gummistiefeln etc. ein. Nach einem kurzen Lunch dekorieren wir unser Auto, damit es von den anderen Toyotabussen unterscheidbar ist. Die Abendfahrt wird aufgrund von schnellen Winden abgesagt.

Anreise nach Japan

Ein weiteres Ballonabenteuer beginnt. Wir sind heute in Japan angekommen. Nach einem langen Flug von Zürich nach Tokio gings dann weiter mit einem Inlandflug nach Fukuoka auf die Südinsel Japans. Diesen hätten wir jedoch noch fast verpasst. Der Securitykontrolleur fand eines unserer Funkgeräte suspekt und hat nach längerer Recherche über Akkus kurzerhand den Schraubenzieher gezückt und alles in seine Einzelteile zerlegt. Währenddessen haben die immer höflich lächelnden Damen von der Fluggesellschaft uns schon beinahe auf den nächsten Flieger umgebucht. Es hat dann jedoch noch knapp gereicht.
In Fukuoka haben wir nach längerem Suchen im japanischen Schilderdschungel unser Mietauto in Empfang genommen. Im Linksverkehr gings weiter nach Saga.
Check-in für die Meisterschaft war wie erwartet zügig und top organisiert, den Ballon haben wir in 15min eingeladen gehabt inkl. japanischen Gasflaschen.
Nach einem feinen Znacht in einem japanischen Restaurant mit Lolo und Werni fallen wir nach der langen Reise nun erschöpft in die Federn.

Hier in Saga findet die Weltmeisterschaft der Heissluftballone statt.
Wir sind am Start mit unserem weissen MM-Racer, welcher schon seit längerem via Frachtflugzeug auf dem Weg nach Saga gekommen ist.
In der Crew sind Nicole und Samuel (Pilotin und Copilot), Bruno, Walti und Mari (in den Bodenteams in zwei Autos).
Von der Schweiz sind insgesamt 6 Teams am Start. Dies zusammen mit 105 Teams aus der ganzen Welt.
Weitere Infos über den Wettkampf findet ihr unter: http://sagaballoonworld2016.jp und Infos über unsere Erlebnisse hier auf dem Blog.
Wir freuen uns auf viele schöne und spannende Fahrten!img_7655