Fazit Frauen-WM

Die verregnete Woche im schönen Birstonas ist Geschichte. Wir reisen mit gemischten, aber hauptsächlich positiven Gefühlen nach Hause. Auch am Tag nach dem fragwürdigen Abbruch der gestrigen Abendfahrt sind wir verärgert und enttäuscht über die Entscheidung des Wettkampfleiters. Fragwürdig, weil sie offenbar gegen den Rat des Meteorologen und des ortskundigen Stellvertreters allein aufgrund von Informationen zu spät gestarteter Wettkämpferinnen gefällt wurde. Enttäuscht und traurig sind wir, weil uns das eine sichere Medaille gekostet hat. Aber damit müssen wir leben, denn der Championship Director hat das alleinige Recht für solche Entscheide. Irgend etwas wird er sich dabei wohl überlegt haben.

Es überwiegen definitiv die positiven Erinnerungen. Wir haben mit dem 9. Schlussrang das zweite FAI-Diplom innerhalb von zwei Wochen geholt. Und wir haben die gute Rangierung der Frauen-WM 2014 in Polen bestätigen können. Wir haben die Gewissheit, dass wir in dieser Kategorie in der Weltspitze mithalten können. Das betrifft sowohl die materielle Vorbereitung, die Arbeit der beiden Bodencrews und vor allem die Fahrtaktik- und technik von PIC und Co-Pilotin. Natürlich haben wir noch Potenzial zur Verbesserung gesehen. Daran werden wir arbeiten, damit wir ein noch stärkeres Team werden.

Ein total verkorkster Abend

Zuerst bringt es der Championship Director fertig, für ein simples Task Briefing 50 Minuten zu brauchen, n.B. um die vielen Fehler im Task Sheet zu korrigieren. Zuletzt artet das Ganze zu einem Kolloquium aus, wer noch gerne was fahren möchte und was lieber nicht. Auffällig schnell wird die 3D-Aufgabe auf Verlangen der Amerikaner gestrichen. Dann werden wir endlich raus gelassen. Es gibt 3 Aufgaben: ein PDG, ein GBM und ein HWZ mit 3 Zielen. Die Windmessungen zeigen wenig Steuerungsmöglichkeiten und es ist schnell klar, dass die Zeit heute Abend ein wesentlicher Faktor sein wird.

Dank guter Vorarbeit des zweiten Bodenteams können wir direkt zu einem idealen Startplatz fahren, rüsten sofort auf und sind als 4. in der Luft. Das PDG gelingt mit 10m sehr gut. Das GBM verpassen wir zwar ganz knapp, das hätte aber keine Rolle gespielt, weil das den meisten so gegangen ist. Beim HWZ ist die Ablage bei etwa 20m. Das ist darum sehr gut, weil es die meisten Ballone gar nicht mehr bis hier vorne geschafft hätten. Aber genau 2 Minuten vor unserem Markerwurf wird die ganze Fahrt abgesagt! Offenbar haben die zuletzt gestarteten Teams ein paar Regenspritzer erhalten, was den Championship Director zu der sehr fragwürdigen Absage veranlasst hat.

Damit nimmt der offensichtlich überforderte Wettkampfleiter substanziell auf die Schlussrangliste Einfluss. So wie es aussieht, würde das ganze Podest anders aussehen, auch die Weltmeisterin wäre wohl eine andere. Wir hätten mit Sicherheit ernsthafte Chancen auf eine Medaille gehabt. Belohnt werden die Teams, die langsam und unprofessionell gearbeitet haben und sich mehr aufs Motzen als aufs Ballonfahren konzentriert haben.

Keine Morgenfahrt, dafür Resultate

Die Bad News von heute früh sind eigentlich keine Neuigkeiten mehr: wegen einer weiteren Störung kann leider wieder nicht gefahren werden.

Die Good News: wir haben endlich die (noch provisorischen) Resultate der gestrigen Morgenfahrt und diese sind sehr ermutigend:
Task 6, PDG: 35m / 1000 Punkte
Task 7, HWZ: 34.5m / 740 Pt.
Task 8, HWZ: 118m / 652 Pt.
Task 9, FON: 50m / 940 Pt.
Task 10, LRN: 5.14 km2 / 725 Pt.
Das ergibt einen sehr guten Schnitt von 811 Punkten für diese 5 Aufgaben.

Im provisorischen Gesamtklassement führt Nicola Scaife (AUS) unangefochten mit 8733 Pt. vor Ann Herdewyn (BEL) mit 6992 Pt. und Cheri White (USA) mit 6680 Pt. Wir haben uns von Rang 26 auf Rang 9 verbessert, total haben wir 6290 Pt. Zu Platz 2 ist der Abstand gut 700 Punkte, gleich viele Punkte nach hinten würde Rang 17 bedeuten.

Eine weitere Fahrt abgesagt

Es wären zwei Aufgaben vorgesehen gewesen, ein Gordon Bennett Memorial auf die Piste des Flugplatzes und ein anschliessendes Watership Down. Aber eine der tausend Störungen machte wieder einen Strich durch die Rechnung. Beim Zusatzbriefing auf dem Flugfeld wurde zuerst das GBM gestrichen und als der Fuchsballon gerade aufgestellt war, wurde die Fahrt definitv abgesagt.

Der Entscheid war richtig, denn kurz darauf begann es wieder leicht zu regnen. Es stinkt uns trotzdem.

Sicher gelandet

Der Start auf dem CLP4 war eine zügige Sache, siehe den Drohnen-Videoclip auf Youtube. Auf diesem sind wir allerdings nicht zu sehen, denn wir waren die zweiten beim Start und dadurch schneller als der Videofilmer. Nach Durchqueren der ersten Scherung geht es zügig Richtung Osten. Das erste Ziel (Pilot Declared, nicht Judge Declared Goal wie im letzten Beitrag erwähnt) gelingt mit ca. 30m gut. Auf dem HWZ liegen wir mit 34.5m ungefähr auf dem 15. Platz, also noch in der ersten Hälfte. Das zweite HWZ geht eher daneben, Ablage ca. 120m. Das anschliessene FON ist nach einem erheblichen Deklarierungsstress ebenfalls befriedigend: ca. 50m. Der abschliessende Landrun lässt sich wie üblich noch nicht beurteilen, schlecht war er vermutlich nicht.

Die Bodenmannschaft ist gleichermassen gefordert. Wir schaffen es, an jedem Ziel einigermassen vernünftig die Winde durchgeben zu können. Dabei überschreiten wir allerdings meistens die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten auf der Strasse. In der Luft ist der Durchschnitts-Speed bei rund 40km/h und so sind wir alle happy, als unsere 2 Ladies wohlbehalten und stehend auf einem Feld weit im Osten wieder am Boden sind.

Endlich eine Fahrt

Der Himmel ist beim Aufstehen klar und so gehen wir guten Mutes zum Briefing. Die einzige erkennnbare Herausforderung werden die erwarteten Windböen sein. Es sind 5 Aufgaben zu meistern. Die ersten 4 sind gleich wie gestern Abend. Zuerst ein JDG, vor dem Start zu deklarieren, danach 2 HWZ mit je 3 Zielen, dann ein FON und zuletzt zusätzlich ein Land Run.

Die Winde auf dem Startplatz sind an der Limite, wir schaffen es aber gut und sind schnell in der Luft. Hoffen wir, dass es unser Morgen wird.

Wir schimmeln langsam

Die grösste Herausforderung ist, nicht allzu durchtränkt unter den wolkenbruchartigen Schauern vom Auto in den Briefingraum zu kommen. Die Wettersituation ist komplex: bereits jetzt ist die Atmosphäre deutlich instabil. Diverse Störungszonen nähern sich in den unteren Schichten von Nordwesten her und in den höheren Schichten droht zusätzlich eine Störung von Westen, die mit starken Höhenwinden in der Grössenordnung von 30kt verbunden ist. Die erwartete zusätzliche Abkühlung in der Höhe dürfte die Instabilität zusätzlich verstärken. Je nachdem, welche Störung gewinnt, scheint eine Fahrt trotz allem denkbar.

Auf der CLA gibt es eine neue Herausforderung: die Autotür gegen den starken Wind zu öffnen. Es bläst wie eine S… Dieser schwächt sich in den nächsten 30 Minuten kein bisschen ab und so ist die Annulation der Fahrt genauso logisch wie frustrierend.

Fun and Competition

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 633 Followern an