Zweimal ins Domleschg

Bislang sind die 44. Internationalen Heissluftballonwochen in Flims nicht gerade mit Wetterglück überhäuft. Trotzdem haben wir es geschafft, zwischen diversen Staffeln tiefer Bewölkung und mehreren durchziehenden Regenfronten zwei schöne Morgenfahrten ins Domleschg durchzuführen. Jeweils auf etwas 3500 m.ü.M. finden wir Windschichten, die uns gemütlich mit 15-20 km/h Richtung Thusis führen. Beide Landungen erfolgen bei schwachen Bodenwinden im Talboden im Raum Cazis/Rodels. Am Montagmorgen bekommen wir auf der neben einer grösseren Hanfplantage gelegenen Landewiese Besuch von einer begeisterten Gruppe Erstklässler, die offensichtlich durch die Lehrerin nicht mehr im Schulzimmer zu halten waren.

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Zielkreuze bei Sonnenaufgang: 0cm und ein paar Ski für Samuel

Heute Morgen steht die traditionelle Zielkreuzfahrt auf dem Programm. Wir starten auf dem Parkplatz der Wolzenalpbahn in Krummenau und tuckern danach das Toggenburg hinunter Richtung Ebnat-Kappel: mal links, mal rechts. So wie wir es kennen und wie es nie völlig vorhersehbar ist. Aber auf die Zielkreuze korrigieren kann man: Sam beweist dies in Perfektion, zeigt Geduld und so kann Co-Pilot Bruno schliesslich auf dem Startplatz unter grossem Jubel der Zuschauer mitten ins Kreuz markern. Ein paar neue Ski von Sport Sutter in Alt St. Johann ist der verdiente Preis.

Danach geht es bei wechselnden Winden langsam weiter nach Nordwesten, etwas höher wieder nach Osten und nach gemütlichen eineinhalb Stunden landen wir mit beiden Ballonen hofrätlich nebeneinander auf der Wiese hinter dem Kapplerhof.

Im Frühtau über den Säntis

Es ist noch kühl in Ebnat-Kappel, als wir um halb Acht mit rund 20 anderen Ballonen starten. Zunächst kämpfen wir uns zu einem Zielkreuz neben dem Schwimmbad, aber das ist eher zum Einlaufen. Dann steigen wir zügig auf ca. 2800m auf und nehmen Kurs auf den Alpstein. Vor uns überqueren 8 weitere Ballone den Gebirgszug, ein tolles Bild im Gegenlicht. Kurz vor dem Öhrli steigen wir auf 3200m auf. Einerseits um möglichen Turbulenzen auszuweichen und andrerseits um noch etwas mehr nach Süden zu drehen. Wir fahren etwas südlich von der Meglisalp vorbei, überqueren die Kreuzberge und steigen dann über dem Golfplatz Gams ins Rheintal ab. Knapp nach der Grenze landen wir bei etwas bockigen Verhältnissen sicher im österreichischen Bangs.

Gold und Bronze für die Schweiz!

Gemäss der ersten offiziellen Rangliste hat sich die heutige Morgenfahrt zuvorderst im Klassement extrem erfreulich ausgewirkt. Wir hoffen, dass sich dies nicht noch durch Proteste ändert. Mit zwei Super-Resultaten hat sich Roman Hugi vom 5. auf den 3. Platz vorgekämpft. Stefan Zeberli hat souverän seinen Titel verteidigt und ist nun bereits zum 4. Mal Europameister geworden. Herzliche Gratulation!

Mit dem Abschneiden unserer beiden Teams sind wir ebenfalls sehr zufrieden. Rang 17 für Nicole und Sam ist sehr viel besser, als wir uns erhoffen durften und auch der 45. Platz von Gian-Marco und Corinne ist eine super Leistung. Sie sind wirklich eine tolle Meisterschaft gefahren.

Die starke Schweizer Nationalmannschaft hat die inoffizielle Nationenwertung klar für sich entschieden:
1. Stefan Zeberli: 19’648 Punkte
3. Roman Hugi: 17’227
8. Marc Blaser: 16’428
10. David Hochreutener: 15’960
17. Nicole Vogel: 14’572
45. Gian-Marco Nacht: 12’428
46. René Erni: 12’180

Alle Resultate auf dem offiziellen Noticeboard

Windroulette zum Abschluss

Die beiden letzten Aufgaben heute Morgen sind erwartungsgemäss so gesetzt, dass sie einfach und schnell auszuwerten sind: 2 HWZ hintereinander. Was dann herauskommt ist eine mühsame Sucherei nach Winden auf die gesetzten Ziele. Chancen hat man nur, wenn man bei den allerersten Ballonen ist, die das Startfeld verlassen. Das gelingt Stefan und Roman gut, für die anderen Schweizer ist diese letzte Fahrt ein einziger Frust. Ausser für die ersten 10-15 Ballone im Feld werden sich die Ablagen im Kilometer-Bereich bewegen. Wir sind gespannt, wie sich das auf das Schlussklassement auswirken wird.

Provisorische Resultate 1-16

Nun sind die provisorischen Resultate von gestern Abend publiziert. Das Gesamtklassement sind im Moment sehr gut aus:

1. Stefan Zeberli: 13’998
2. Sergey Latypov: 12’362
3. Rokas Kostiuskevicius: 11’767
10. Marc Blaser: 11’158
13. Roman Hugi: 10’907
14. David Hochreutener: 10’858
30. Nicole/Sam: 9’519
34. René Erni: 9’284
49. Gian-Marco/Corinne: 8’203

Und noch ein Nachtrag zum Elbow von gestern Morgen: die Resultate wurden so angepasst, dass auf nur noch eine Kommastelle gerundet wurde. Das gibt die seltene Situation, dass 17 Teams einen Tausender erzielten, darunter auch Nicole/Sam und Gian-Marco/Corinne. Dieses Bild werden wir wohl lange nicht mehr sehen:

Geduldsspiel am Morgen

Langsam macht sich ein Hochdruckeinfluss bemerkbar. Die Winde sind gegenüber den Vortagen deutlich schwächer und auch die Richtungsänderungen machen wenig Freude. Es sind wieder 4 Aufgaben gestellt: MDD, HWZ und 2 FON. Wir entscheiden uns für einen Startplatz, der gerade knapp ausserhalb der Minimaldistanz liegt und geben alles, um so rasch als möglich in die Luft zu kommen. Dabei gerät der Knöchel des Crownliners Jürg etwas in Mitleidenschaft. Es sieht aber nicht dramatisch aus. Auf dem ersten Ziel häufen sich schon bald die Marker. Nicole und Sam werden kurz vor dem Kreuz noch von 2 anderen Ballonen weggeschubst, sodass die Platzierung der beiden Marker nicht optimal gelingt. Gian-Marco und Corinne kommen etwas weiter hinten, erreichen ebenfalls mit viel Kampf in die MMA und markern gut.

Auf dem HWZ drehen die Winde in kurzen Zeitabständen, vorerst „nur“ in einem Sektor von etwa 60 Grad, später praktisch auf dem ganzen Vollkreis. Nicole/Sam kommen recht gut auf das Ziel, Gian-Marco/Corinne haben eine Viertelstunde später keine Chance mehr, sodass sie das nächste Ziel in der neuen Fahrtrichtung anvisieren müssen. Dort entscheiden sie sich mit an sich gutem Kurs 70m vor dem Zielkreuz, die Übung abzubrechen, um die letzten 20 Minuten der Wertungsperiode noch für die beiden FON zur Verfügung zu haben. Mit viel Mut deklarieren sie beide Ziele gleichzeitig und erzielen danach 6 und 3 Minuten vor Ende der Wertungsperiode gute Resultate. Auch Nicole und Sam gelingen die letzten beiden Ziele – mit etwas mehr Zeitreserve – gut.

Stressige Abendfahrt und ein weiterer Tausender

Das Briefing beginnt um 18:00, die Verkehrssituation ist aufgrund der vielen Zuschauer angespannt, sodass auf dem Weg zu einem möglichen Startplatz grosse Distanzen gefahren werden müssen. Deshalb fragt es sich, warum die Startperiode bereits um 18:30 beginnt. Wohl nur als Konzession an die lokalen Organisatoren. Der Hinweis des Safety Officers, man solle vorsichtig und langsam fahren, wird mehrheitlich mit einem Lächeln quittiert.

So dreschen wir also (vorsichtig) hinaus und suchen die vorhergesagten Windrichtungen und dazu passende Startplätze. Das Ganze entwickelt sich zu einem Nervenspiel, die Zeit wird langsam knapp. Nach drei Anläufen passt das Ganze einigermassen zusammen, allerdings wollen auf dem taschentuchgrossen Feld etwa doppelt so viele Teams starten, wie es Platz hat. Wir legen einen rekordverdächtigen Start hin und sind schliesslich alle zur Zeit in der Luft. Sowohl das FIN als auch das HWZ (Auswahl aus 4 Optionen) schaffen wir innerhalb der TMA und wie heute Morgen werden wir erst nach der Auswertung wissen, für wieviele Punkte das Ganze gut war. Das Qualitätsniveau ist auch dieses Jahr derart hoch, dass gut sein noch lange keinen Spitzenplatz bedeutet.

Eigentlich wollte ich nichts mehr zur bescheidenen Organisationsleistung der Franzosen schreiben. Die Episode an der Gastankstelle muss man sich aber trotzdem buchtstäblich auf der Zunge zergehen lassen.
So warten 80 Teams auf das Gastanken:

Und das macht die Gasequipe zur gleichen Zeit:

Zitat des Chefs dieser traurigen Mannschaft: „Das Gastanken ist für 21:00 geplant, also gibt es erst in 40 Minuten Gas. Bis dann machen wir Grillparty.“

Die Resultate von heute Morgen sind bis auf den 3D-Task vorliegend. Wir haben in den Bodenzielen enttäuschende Punktzahlen erzielt, dafür haben Nicole und Sam im Elbow einen weiteren Tausender mit 180.00 Grad geholt, Gian-Marco und Corinne mit 179.99 Grad 983 Punkte! Zur Frage der Leistungsdichte: 179.0 Grad gaben gerade noch 329 Punkte. Im provisorischen Zwischenklassement ohne Task 13 führt weiterhin Stefan Zeberli mit 550 Punkten Vorsprung, Marc Blaser ist 8., David Hochreutener 9., Roman Hugi 18., Nicole und Sam 34., René Erni 42. und Gian-Marco und Corinne 57.

Wind aus allen Richtungen

Die heutige Morgenfahrt besteht aus 4 Aufgaben ab CLA 1. Aufgrund der aufziehenden Bewölkung wird die maximale Fahrthöhe auf 5000ft festgelegt. Unser Startplatz liegt wieder ganz unten am Waldrand, wo es nur wenig Wind hat und der Start deshalb ziemlich problemlos vonstatten geht. Über die paar Regentropfen beim Start sehen wir hinweg. Spätestens seit der Frauen-WM in Polen wissen wir ja, dass unsere Ballone wasserdicht sind! Und dieses Mal waren es wirklich nur ein paar wenige.

Die erste Aufgabe ist ein JDG, das rund 2.5km vom CLA entfernt und mit den aktuellen Winden sehr schnell erreicht ist. Gut, dass wir mit unseren zusätzlichen Autos bereits frühzeitig Windmessteams positionieren konnten. Beide Ballone kommen gut in die MMA’s, der Anfang ist damit schon mal geglückt. Danach  folgt ein HWZ in etwa 2km Distanz. Auch hier kommen beide Teams trotz zunehmend variablen Wind gut in die MMA. Als nächtes ist eine 3D-Aufgabe gesetzt, ein sogenannter Donut. Der Mittelpunkt eines Rings mit innerem Radius 1km und äusserem Radius 2km ist durch die Piloten selbst zu bestimmen, als Resultat wird die innerhalb des Kreisrings gefahrene Strecke oberhalb 1000ft gewertet. Beiden Teams gelingt diese Aufgabe gut, sie können am einen Ende sogar durch bodennahe Korrekturen ein zweites Mal in das Wertungsgebiet einzufahren. Als abschliessende Aufgabe gilt es noch einen ELB zu fahren. Die Winde sind ideal kombinierbar, sodass Winkel um die 180 Grad resultieren.

2 HWZ am Abend und ein Tausender (vom Morgen)

Die heutigen Abendfahrt besteht aus 2 HWZ. Der Championship Director wollte nach der anspruchsvollen Morgenfahrt explizit die taktischen Schwierigkeiten tief halten. Trotzdem gestaltet sich die Wahl des ILP ziemlich tricky: in der idealen Richtung zum Ziel gibt es vor allem Reben und Wald. Wir haben zwar ausserhalb der Ballonkörbe hohe Sympathien für Reb-Produkte, wenn wir aber Startplätze suchen, sind uns abgemähte Felder lieber. Wir finden nach längerem Suchen letzlich eine gut abgeschirmte Wiese für unseren Start. Die Fahrt selber ist kurz: unseren Piloten gelingen beide Ziele gut bis sehr gut. Nach dem Abschluss feiern wir noch eine kurze Landeparty mit den aufgestellten Anwohnern des Landefeldes: très sympa!

Wir feiern insbesondere aber den ersten Tausender: Nicole und Sam haben im epischen Landrun heute früh mit ihren 182.84 km2 alle anderen hinter sich gelassen. Freude herrscht!

Im provisorischen Gesamtklassement nach 10 Wertungen sieht es wie folgt aus:
1. Stefan Zeberli 8587 Punkte
2. David Spildooren (BEL) 8562
3. Rokas Kostiuskevicius (LTU) 8286
7. Marc Blaser 7262
13. David Hochreutener 6863
29. Roman Hugi 6223
32. Nicole Vogel 6062
40. René Erni 5615
60. Gian-Marco Nacht 4532

Fun and Competition