Fazit

Für die Schweiz war die WM in jeder Beziehung ein Erfolg. Wir haben zwar nicht den allerhöchsten Punkteschnitt aller Nationen, mit dem Bronzemedaillengewinner Stefan Zeberli und dem fünften Roman Hugi aber zwei Top-Resultate erreicht. Wir waren durch das Coaching-Team Leon Andre und Werner Beyeler bestens betreut und die Zusammenarbeit untereinander war so gut, dass wir darüber von vielen anderen Nationen beneidet werden.

Aus Sicht des MM-Ballonteams stellt sich der Rückblick wie folgt dar:

  • wir waren materiell gut vorbereitet. Der Entscheid, eigene Hülle und Bottom End nach Japan zu transportieren war sicher richtig. Mit dem hier dazu gemieteten Material sind wir gut zurecht gekommen. Einzig mit den Funkgeräten hatten wir Schwierigkeiten. Herzlichen Dank ans Vollgas-Team, das uns aus der Patsche geholfen hat.
  • organisatorisch hat alles gut geklappt, auch dank der hervorragenden lokalen Unterstützung durch die Organisatoren.
  • bei der Teamaufteilung müssen wir uns für einen nächsten Event überlegen, ob wir nicht wieder mit 6 Teammitgliedern arbeiten wollen, selbst wenn noch ein Observer dazu kommt.
  • resultatmässig dürfen wir nach unserer ersten WM mit dem 55. Schlussrang sicher zufrieden sein. In Anbetracht der extrem hohen Leistungsdichte ist dies ein sehr guter Erfolg. Insbesondere hatten wir gegen Ende auch keinen Leistungsabfall wie noch an der letztjährigen EM. Auf der Lernkurve sind wir einen schönen Schritt weiter nach oben gekommen.
  • die gestellten Aufgaben sind uns sicher nicht unbedingt entgegengekommen. Es ging um das Anfahren von hintereinander gereihten Bodenzielen. Taktische Entscheidungen  waren praktisch nicht gefragt, selbst das einzige Minimum Distance war letzlich auch wieder ein Hesitation Waltz. Aus der grossen Palette von möglichen Tasks kam leider nur eine sehr begrenzte Auswahl zum Einsatz.

Die WM in Japan war hervorragend organisiert und sportlich auf höchstem Niveau. Wir behalten grossartige Erinnerungen, unvergesslich bleiben die „Yatah-Yatah-Yatah“-Anfeuerungsrufe der riesigen Zuschauermenge im Stadion am Kase-River: Gänsehaut-Feeling pur!

Abschluss der WM

Vermutlich waren am Sonntag Abend nicht nur im Schweizer Lager einige Feiern im Gang. Jedenfalls starten nur 15 – 20 Ballone zum Fun Flight auf dem menschenleeren Startplatz. Die Winde sind am Boden einigermassen ruhig, doch bereits 200m über Grund hat es eine bockige Strömung mit ca. 45 km/h. Wir geniessen die Fahrt über die flache Reisfeld-Landschaft im frühen Morgenlicht. Am Boden bleibt es mehr oder weniger ruhig, sodass auch zwei Zwischenlandungen möglich sind und dadurch die ganze Crew einmal kurz in die Luft kommt.

Am Mittag führen wir ein kurzes Debriefing der Nationalmannschaft durch, Hauptzweck der Uebung ist aber ein gediegenes traditionelles japanisches Mittagessen in einem uralten, schönen Restaurant. Für einige Schweizer sind ein paar Speisen eher eine Herausforderung als ein Hochgenuss. Mit Sicherheit war es aber für alle ein eindrückliches Erlebnis.

Die Abschlussfeier am Abend findet in einem grossen Ballsaal eines Hotels statt. Und wie üblich ist sie zwischendurch etwas chaotisch, weil es immer wieder Nationen gibt, die nicht wissen, wie man sich aufführt. Wir verbringen zusammen mit den 3 Schweizer Observern einen lustigen Abend und feiern unsere guten Resultate gebührend. Da am nächsten Morgen keine Ballonfahrt stattfindet, endet der Abend für einige erst am frühen Morgen.

Resultate sind final

Eigentlich wollten wir heute Abend beim Key Grab die grosse Limousine abholen, aber leider ist der Wind deutlich zu stark. An einen Start ist nicht zu denken.

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Wir schlendern dafür noch über das Zuschauergelände, eine Budenstadt von gewaltigen Ausmassen. Direkt anschliessend gibt es eine Bahnstation, ausschliesslich für die Ballonarena. Gestern sind die Leute offenbar im Bahnhof von Saga Schlange gestanden, um ein Zugticket für heute zu kaufen!

In der Zwischenzeit sind nun auch alle Resultate final und die sehen für das Schweizer Team höchst erfreulich aus:

1. Rhett Heartsill (USA): 26’160 Punkte
2. Rimas Kostiuskevicius (LIT): 23’907
3. Stefan Zeberli: 22’609
4. Nicolas Schwartz (FRA): 22’515
5. Roman Hugi: 22’366
26. David Hochreutener: 19’321
28. Marc Blaser: 19’255
46. René Erni: 17’081
55. Nicole Vogel: 16’496

Für eine Beurteilung des ganzen Wettkampfs und unserer Arbeit ist es noch etwas früh. Im Moment freuen wir uns einfach über das tolle Schlussergebnis.

Das „Yatah“-Feeling

Für die letzte Fahrt sind nochmals 5 Aufgaben zu lösen: FIN, JDG, PDG, JDG, FON. Entsprechend den Windmessungen setzen wir unser PDG ziemlich genau auf die Linie zwischen die beiden JDG und starten zusammen mit den anderen Schweizer Teams auf einem kleinen Feld im Nordosten. Bereits bei der Hinfahrt stecken wir wieder im Stau der Zuschauer, die noch bei Dunkelheit in Scharen zum Startfeld strömen. Sie kommen mit Kind und Kegel, ausgerüstet mit Sitzdecken und Proviant für mehrere Tage. Schliesslich schaffen wir es, zur Zeit in die Luft zu kommen und liegen auf dem ersten Ziel (FIN) mit 48.88m zu weit weg. Für die vordere Ranglistenhälfte hätte man unter 6m sein müssen! Nach einigen Korrekturen in den tieferen Schichten kommen wir in einem grösseren Pulk ins Stadion hinein. Obwohl zu diesem Zeitpunkt höchsten ein Viertel des Felds schon gemarkert hat, ist das Zielkreuz bereits mit Markern zugedeckt. Wir kommen schön Richtung Kreuz hinein, der Marker liegt auf 4.77m. Leider sind alle anderen auch hervorragend, schliesslich haben 23 Piloten eine Ablage von weniger als 1m, 88 Marker liegen innerhalb von 10m. Dafür ist das „Yatah-Yatah-Yatah“, das die Zuschauer für jeden guten Wurf schreien, ein Gänsehaut-Garant und ein toller Lohn für gute Arbeit.

Beim dritten Ziel (PDG) geht leider in die Hosen, man müsste innerhalb von 100m um die Kreuzung markern, das verpassen wir ganz knapp. Beim nachfolgenden JDG liegen wir im Feld und beim FON schauen ca. 30m heraus. Beides ist wohl auch zu wenig, um den 48. Rang nach der gestrigen Abendfahrt verteidigen zu können.

Sa. 5.11. PM: Start vor Zehntausenden

Bei Prachtswetter sind im Laufe des Nachmittags Zehntausende von Zuschauern auf den Startplatz gepilgert. Die Stimmung ist unbeschreiblich und die Speaker halten das Publikum bei bester Laune, auch wenn der Start noch mehr als eine Stunde auf sich warten lässt. Es sind heute Nachmittag zwei Aufgaben gestellt: ein Pilot Declared Goal und ein Hesitation Waltz. Über die Ballonfahrt kann der Schreiberling wenig berichten, da er sich mit dem Observer im Verkehrstau herumgeschlägt. Es scheint, dass alle Leute aus Saga und Umgebung sich auf die Strassen begeben haben, um den Ballonen zuzuschauen. Ausserdem findet am Abend ein Night Glow mit gegen hundert Ballonen statt, der mit Sicherheit weitere Zuschauer anlockt. Wir schaffen es gerade noch, kurz nach der Landung beim Ballon zu sein. Gut, dass unsere Piloten die Fahrt recht gut im Griff hatten (3.10m auf dem PDG und ca. 30m auf dem HWZ). So müssen wir auf der Rückfahrt nicht noch lange Marker suchen gehen.

In der Zwischenzeit sind auch die neuen Resultate online. Nach der Morgenfahrt von heute früh sieht das Zwischenklassement wie folgt aus:

1. Rhett Heartsill (USA): 20’260 Punkte
2. Rokas Kostiuskevicius (LIT): 18’026
3. Stefan Zeberli: 17’994
4. Rimas Kostiuskevicius (LIT): 17’993
5. Roman Hugi: 17’422
24. Marc Blaser: 14’824
25. David Hochreutener: 14’714
44. René Erni: 13’308
54. Nicole Vogel: 12’698

Sa. 5.11. AM: Hin und Her

Nach unserem Black Friday (Rückfall von Rang 37 auf Rang 52) packen wir den Tag mit neuer Energie an. Die Aufgaben heute früh: Judge Declared Goal, Hesitation Waltz, Minimum Distance und Fly On. Wir staunen, dass mit dem MDT erstmals etwas anderes als ein Bodenziel als Aufgabe gestellt wird. Bei genauerem Hinschauen ist der Task aber auch nichts anderes als ein HWZ mit zwei Kreuzen auf dem Launch Field.

Die Winde wehen in alle Richtungen. Zunächst fahren wir mit den Bodenwinden Richtung Südwesten auf das Judge Declared Goal, danach in einer höheren Schicht zurück zum Startplatz. Auf dem Rückweg markern wir noch bei einem der zwei HWZ-Ziele. Auf dem CLP herrscht das übliche Windspiel. Wenn man Wind aus W braucht, weht dieser genau so lange, bis man selber da ist. Genau in diesem Zeitpunkt kommt dann der Wind irgendwo sonst her. Immerhin sehen wir alle Zielkreuze aus der Nähe, unsere Resultate sind sicher nicht top, aber vermutlich einiges besser als gestern. Das abschliessende FON ist etwas tricky, denn dort hat es einen ziemlich breiten Kanal gleich neben der Kreuzungen, zusätzlich dazu noch Leitungen aus drei Richtungen. So müssen wir auf ca. 48m einen Sicherheitswurf machen, um den Verlust des Markers zu vermeiden.

Fr. 4.11. PM: Fly In in die Zuschauerarena

Heute Abend ist mit einem FIN auf den CLP eine Einfachaufgabe gestellt. Wir haben gute Windinformationen zur Verfügung und starten am gleichen Ort wie alle anderen Schweizer Teams. Der Track auf das Zielkreuz stimmt bis fast zuletzt, aber genau in dem Moment, in dem die Schweizer Ballone auf das Feld kommen, dreht der Wind nicht mehr nach links wie noch kurz zuvor, sodass ausser Roman alle das Feld verpassen und ausserhalb markern müssen. Für uns wird das ungefähr 240m ergeben, nach dem „verstrupften“ Morgen wieder zuwenig Ausbeute.

Erneut beeindruckt die Zuschauerkulisse, mit Sicherheit hat es 20’000 bis 30’000 Leute auf der Tribüne und auf dem Gelände rundherum. Das bedingt rundherum eine enorme Organisation. Die Einweisung auf die Parkplätze und die Verkehrsregelung sind vorbildlich. Offenbar sind insgesamt etwa 1000 Freiwillige rund um den Anlass im Einsatz.

Fr. 4.11. AM: PDG, PDG, JDG, HWZ, FON

Gerade viele Ideen entwickelt der Wettkampfleiter nicht. So fahren wir mit Start ab CLP fünf Aufgaben der bekannten Sorte. In Erwartung einschlafender Winde gehen wir im ersten Viertel aller Ballone hinaus. Die beiden Pilot Declared Goals setzen wir gut, die Anfahrt stimmt aber beide Mal nicht perfekt, sodass 60m und 30m herausschauen. Auf dem JDG stellt der Wind etwas früh, sodass auch hier mit der Ablage kein Blumentopf zu gewinnen ist (ca. 150m). Auch beim HWZ verlieren wir den Windpoker. Wir können aber hoch nochmals recht gut korrigieren, sodass ein Resultat von 140m herausschauen dürfte. Das abschliessende Fly On gelingt dafür dann gut, mit 3.18m schaut da sicher etwas Zählbares heraus. Mindestens haben wir heute Gas und Zeit im Griff, bei einigen Teams fehlt auf dem letzten Ziel die Zeit, sodass sie frühzeitig markern müssen.

Fun and Competition